Ápnoia - Bild1

Video

Ápnoia - Bild2

Detail Ápnoia, 2013

Ápnoia - Bild3

Blick durch die Braille Ausstanzung des Vorhangs.

Ápnoia - Bild4

Detail Spots, 2012

Ápnoia 2013

galerie weisser elefant, Berlin

Ápnoia (griech. Nicht-Atmung) meint ein Aussetzen der Atmung, das auch durch eine traumatisch bedingte Blockade zustande kommen kann: ein kurzzeitiger Stillstand, ein Stocken, eine Todesahnung, ein Vorbote der Endlichkeit. Bedrohung und Tod sind allgegenwärtig, sie besetzten alle Medien. Krieg, Desaster, Zerstörung, schockierende Aggressionsausbrüche und Anschläge strukturieren die Informationsflüsse. Sollen wir davon absehen oder uns diesen Zumutungen zuwenden?

Roland Stratmann wählt für seine multimediale, die sieben Räume der Galerie belagernde Ausstellungsinstallation den Weg der aufmerksamen Auseinandersetzung. Im Internet, dem Medium, das alle Informationen, seien sie nun banal oder brisant, gleichwertig hortet, recherchierte Stratmann die Hintergründe von politisch und gesellschaftlich motivierten Bluttaten und Ausschreitungen. Er befasst sich mit Snyper-Attacken, Mordanschlägen, diktatorischen Übergriffen gegen die eigene Bevölkerung, kriegerischen Auseinandersetzungen, all diesen barbarischen Taten und die dadurch ausgelösten Migrantenströme. Ein grundlegendes Vorgehen von Stratmann besteht in der Koppelung genauer Beobachtung und imaginativer (Nach)Formung. Das rekonstruierte reale Desaster verbindet er mit fiktionalisierender Anverwandlung. Die Ermittlungen münden in Transformationen: Der grausame Fakt wird zur betörenden Linie, die skandalösen Bilder zeigen sich fragmentiert und in diskreter Sichtbarkeit.

Was bannt unseren Blick, wo werden wir zum Voyeur oder Zeugen? Von zwei Briefmarken aus Liberia nimmt uns ein gedoppelter Kindersoldat ins Visier. Die Fotografen schießen von der Gegenwand zurück. Dazwischen sind die Betrachter dieser komplizenhaften Aktion ausgesetzt. Wie weit reicht die Wirkungskraft dieser Bilder? In Blick und Gegenblick wird deutlich, dass Fokussierung manchmal schwer fällt und wir dem Anblick des Desaströsen nur mit Scheuklappen begegnen. Temporäre Abschottung muss aber nicht generelle Abstumpfung bedeuten. Der Blick schweift. Licht-punkte durchschießen in Brailleschrift einen Vorhang, der die Galerie von der Außenwelt abschirmt.

Kunst forderte schon immer die einfühlende Compassio ihrer Betrachter ein. Im Alltag wird ständig, bei viel geringerem Anlass, auf unsere Empathie vertraut. Im Großen scheint Teilnahmslosigkeit hingegen die auch gerade seitens der Politik bevorzugte Haltung. Die skandalösen Bilder werden dann zum Hintergrundsgeflimmer. So steckt im Exponieren und Umwandeln dieser im Bilderstrom mitschwimmenden Indizien neben der Aufforderung zum Hinsehen auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Medien.