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München 72, 2015

580 gelaufene Ansichtskarten aus Israel und München aus den 1960er bis 1980er Jahren bilden mit ihren handschriftlichen Texturen das Trägermaterial für zwei großformatige Zeichnungen von Roland Stratmann. Die beiden Papierarbeiten beziehen sich aufeinander. Einige der Reiseberichte auf den Postkarten verweisen auf die Ereignisse des Olympia-Attentats von 1972 in München. Stratmann greift diese Textzitate auf und bringt sie mit Bildmotiven unserer medial geprägten Erinnerung zusammen. Die großflächigen Tuschezeichnungen, in ihrer Kombination aus Text und Bild, überlagern das zum Wandteppich zusammengefügte Postkartenkonvolut. Durch diese Überzeichnung wird die zeitliche und räumliche Distanz zu den Mitteilungen und Reiseerlebnissen von damals überbrückt. Im Blick auf das Vergangene klingt die Sicht auf aktuelle Geschehnisse mit an. So werden anhand der Nachrichten „in die Heimat“ kollektive Urteile und Stimmungen deutlich und in Wechselwirkung mit den Zeichnungen entstehen Sinnbilder der interkulturellen Verkennungen.